Geheimniskrämerei um Mitgliederbestand – DPR trägt maßgeblich zu Irritationen bei!

Nach wie vor hüllen sich der DPR und seine Mitgliederverbände in beredtes Schweigen, wenn es darum geht, entsprechendes Zahlenmaterial über den Organisationsgrad ihrer Verbandsstruktur zu veröffentlichen. 

Der neue Newsletter Nr. 04/09 des DPR ist erschienen und da hätte es ich angeboten, ggf. die Öffentlichkeit über die Strukturen und die „soziale Mächtigkeit“ des DPR zu informieren. Zwar wurde in diesem Newsletter darauf hingewiesen, dass eine der Deutsche Pflegerat die Zahl von Pflegefachkräften, die ihre regelmäßige Teilnahme an Fort- und Weiterbildungen nachweisen, deutlich steigern will und das dazu jetzt in Berlin die „Registrierungsstelle beruflich Pflegender“ (RbP) als GmbH gegründet wurde. Dass hierbei nur knapp unter 9000 Pflegende registriert sind, muss insofern nachdenklich stimmen, als dass mit der Registrierung zugleich ein Beitrag zur Qualitätssicherung erblickt wird. Ohne Frage – derzeit ist noch die Registrierung freiwillig und es bleibt zu hoffen, dass dies auch so bleibt. Geht es in dieser Frage nach Franz Wagner, so besteht das „Ziel“ auch darin, den Gesetzgeber zu einer verpflichtenden Registrierung zu bewegen. 

Offensichtlich gehen die Funktionäre wie selbstverständlich darüber hinweg, dass gerade der geringe Organisationsgrad und die nicht vorhandene Bereitschaft der meisten beruflich Pflegenden, sich organisieren zu wollen, deutliche Hinweise darauf sind, für mehr Transparenz und Akzeptanz zu „werben“. Insofern ist es durchaus sympathisch, dass in den aktuellen Zeilen v. M. Zaddach (Freiwillige Registrierung – Erfordernis der Zeit, in Die Schwester/Der Pfleger 04/2009, S. 358 ff.) zunächst noch leise Töne der Kritik erklingen: es lassen sich wohl Informationsdefizite aus der „gleichgültigen oder womöglich ablehnenden Haltung“ ableiten, die dringend behoben werden müssen. 

Dies gilt m.E. nach um so mehr, als das in der Tat die freiwillige Registrierung ein Baustein unter vielen auf dem Weg zu Errichtung einer Pflegekammer zu sein scheint. Nach Zaddach will der Deutsche Pflegerat mit der freiwilligen Registrierung ein „deutliches Signal für die Autonomie des Berufes“ setzen. „Wird ihm indes die Unterstützung durch die Basis versagt, kann aus dem deutlichen Signal lediglich ein dezentes Räuspern werden“, so Zaddach und er endet gleichsam seinen Kurzbeitrag mit einem Wunsch: „Dazu darf es im Interesse der gesamten Berufsgruppe nicht kommen!“. 

Nun – ob dieser Wunsch in Erfüllung geht, ist nach wie vor eine offene Frage, zumal hierdurch die Tendenz offenbar wird, dass es wohl zuvörderst um die Wahrung der Interessen des Berufsstandes geht und diesbezüglich der DPR mit den Gewerkschaften konkurriert! 

Überdies sollte eines deutlich werden: wenn die Basis dem DPR die Gefolgschaft versagt, stellt sich naturgemäß die Frage nach der Legitimation des Ansinnens des DPR, nachhaltig für eine Verkammerung mit Zwangsmitgliedschaft einzutreten, zumal nicht wie selbstverständlich davon ausgegangen werden sollte, dass dieser Schritt den Pflegenden „gleichgültig sei“, weil sie ohnehin nicht „politisch interessiert“ seien. In dem vermeintlich mangelnden Engagement der Pflegenden kann vielmehr auch die Botschaft an den DPR erblickt werden, den Weg zu einer Verkammerung mit Zwangsmitgliedschaft nicht (!) weiter zu verfolgen. Der DPR sollte zunächst weiter Überzeugungsarbeit leisten und da stimmt es mehr als nachdenklich, dass es offensichtlich ohne „Zwang“ nicht zu gehen scheint. Der DPR hat zu Beginn der Registrierungsoffensive im Jahre 2006 mit einer Teilnehmerzahl von nahezu 100 000 Pflegenden gerechnet, so Zaddach. Das aktuelle Ergebnis nimmt sich mehr als bescheiden aus und da sollte der DPR etwas intensiver darüber nachdenken, warum er sich nicht mit seinem (!) Anliegen bei den beruflich tätigen Pflegenden Gehör verschaffen kann.  

Vielleicht liegt es ja einfach nur daran, dass die Pflegenden nicht in ihrem Tun und Handeln über Gebühr durch Vorgaben von einzelnen Funktionären bestimmt werden wollen, die allzu gerne im „Haifischbecken“ der Selbstverwaltungskörperschaften schwimmen möchten und sich so vielleicht von der Praxis schneller entfernen, als eben den Pflegenden genehm ist. 

Lutz Barth

1 Antwort auf “Geheimniskrämerei um Mitgliederbestand – DPR trägt maßgeblich zu Irritationen bei!”

  1. Jochen Gust sagt:

    Tatsächlich mutet dieses Verhalten nach “Vereinsmeierei” an. Es ist mir unerklärlich, warum es bislang immernoch keine konkreten Angaben darüber gibt, wie viele Pflegende durch den DPR eigentlich vertreten werden - und ob dies eine Legitimation dafür ist, sich Funktionärsposten und -pöstchen sichern zu wollen, die für uns Pflegende dann….ja, was eigentlich? Brauchen wir tatsächlich noch mehr “Ehemalige”, die weit entfernt von der Basis darüber schwadronieren, wie an der Pflegefront alles besser wird? Haben wir nicht dafür bereits Politiker, Unternehmensberater und hie und da auch abgehobene Qualitätsbeauftragte? Zu erwarten ist, dass weiterhin Papier produziert wird, welches niemandem nützt. Ich persönlich glaube nicht an ein “politisches Desinteresse” der Pflegenden (zumindest nicht auf breiter Front). Vielmehr ist es doch ein deutliches Zeichen, dass Pflegende eine derartige Organisation “so” nicht wollen. Ich möchte mich keinesfalls “zwangsrepräsentiert” wissen - von niemandem.

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