Der Fachjournalist Michael Zaddach hat das Thema „Bayerische Pflegekammer“ in der Zeitschrift Die Schwester/Der Pfleger 03/2011 (S. 250 ff.) aufgenommen und wenn ich es recht überblicke, dann sprechen auch aus seinen Zeilen eine gewisse Skepsis ob der euphorischen Botschaften der Berufsverbände – besser wohl einiger Funktionäre.
Die Stimmung an der Basis ist in der Tat nicht nur verhalten, sondern gelegentlich auch „ungehalten“, fühlt man/frau sich doch bei dem Thema Verkammerung ein Stück weit übergegangen. Mehr als bedenklich hingegen muss stimmen, dass weder der DPR noch ein Großteil der anderen Berufsverbände den Mut besitzen, auf die von mehreren Seiten vorgetragenen Gegenargumente einzugehen; statt dessen wird immer wieder gebetsmühlenartig auf den Kieler Rechtsgelehrten Igl verwiesen und es scheint den Berufsverbänden derzeit wohl nicht möglich, hinreichend qualifiziert für die Verkammerung einzutreten, zumal die Gründe, die für eine Zwangsverkammerung sprechen, mehr als zweifelhaft sind.
Hier wird ein Problem ausgesessen (wie es nicht selten in der ganz großen Politik der Fall ist) und die Berufsverbände verkünden lautstark immer mal wieder, dass sie für 1,2 Millionen Beschäftigte im Gesundheitswesen eintreten. Zuweilen wird hierbei jedoch insoweit die Realität verkannt, dass nur ein geringer Teil organisiert ist, mögen uns auch derzeit nicht die konkreten Zahlen vom DPR mitgeteilt werden. Weshalb allerdings der Öffentlichkeit der Grad der Organisation beharrlich verschwiegen wird, ist indes nicht klar, so dass ein weiteres Spekulieren hierüber auch nicht weiter hilft.
Zaddach hat durchaus recht mit seiner Einschätzung, dass die Euphorie mancher Verbandsvertreter sich keineswegs an der Basis resp. in einschlägigen Foren widerspiegelt und ich bin geneigt, anzumerken, dass dies auch nicht sonderlich verwunderlich ist: Der Ruf nach der Verkammerung löst bei den engagierten Professionellen an der Basis nicht nur Irritationen, sondern auch Verärgerung aus, wird doch zugleich unversehens von den Funktionären die Auffassung vertreten, zu höheren Aufgaben berufen zu sein als etwa das konkrete Engagement für bessere Pflege- und freilich auch Arbeitsbedingungen.
So gesehen verwundert es nicht, wenn die Berufsverbände sich selbst ins Abseits stellen, anstatt mit Vehemenz auf die Änderungen auch der Berufsbedingungen in der Pflege zu drängen. Es erscheint wesentlich leichter, allgemeine „Sonntagsreden“ zu schwingen und darum zu werben, dass wir der „Pflege Vertrauen schenken sollen“ – gleichsam nach dem Motto: „Alles wird gut, wenn wir eine Pflegekammer haben“. So viel Blauäugigkeit mag zwar erschreckend sein, entbindet aber nicht eines gewissen Charmes: Der Öffentlichkeit soll Glauben geschenkt werden, dass nur eine Kammer dazu in der Lage ist, eine humane Pflege in all ihren Facetten abzusichern, während allerdings es den beruflich Pflegenden eben an diesem „Glauben“ ermangelt und von daher es nicht verwundert, dass die Basis offensichtlich nicht erreicht wird und im Übrigen wohl auch nicht bereit ist, sich von einigen Funktionären für höchst fragwürdige Ziele instrumentalisieren zu lassen.
Lutz Barth
1.5.2011 bei 11:53
Sehr geehrter Herr Barth,
ich habe heute mit großer Freude Ihre Stellungnahme gelesen. Genau so ist es.
Ich muß Ihnen sagen, daß ich bis heute auf www.krankenschwester.de gegen die Kammer gekämpft habe. Heute habe ich jedoch aufgegeben, weil diese Plattform wahrscheinlich von künftigen Pflegekammervorstandmitgliedern geführt wird und es in der Diskussion zu unglaublichen verbalen Entgleisungen gekommen ist. Es wird gebetsmühlenartig immer wieder das Gleiche wiederholt, auf entsprechende Argumente nicht eingegangen und einem selbst genau das dann vorgeworfen wird. Siehe Link…
http://www.krankenschwester.de/forum/pressebereich/30527-pflegekammer-bayern-groesste-idelle-aufwertung-51.html
Ich glaube, ich will langsam keine Krankenschwester mehr sein.
Herzliche Grüße!